Unsere Region

Die UNESCO Kulturlandschaft erstreckt sich über 65 Flusskilometer und 620 Quadratkilometer. An den Ufern leben 120.000 Menschen in 30 Städten und Gemeinden.

Das Tal

„Er durchbricht es und die Felsen weichen ihm aus und blicken mit Erstaunen und Bewunderung auf ihn herab“ schreibt Heinrich von Kleist auf seiner Rheinreise 1803 über den 1320 Kilometer langen Strom, der das Schiefergebirge zwischen Bingen und Koblenz durchschneidet.

Menschen gestalten seit Jahrhunderten das Tal des Mittelrheins: Straßen, Dörfer, Städte und Burgen entstanden. Weinstöcke schmiegen sich auf Terrassen angebaut an die Felsen beiderseits des Flusses. Flora und Fauna haben sich in einzigartiger Wechselwirkung zu den Eingriffen des Menschen in die Natur entfaltet eine Landschaft, die die Phantasie beflügelt.

Erhalten bleibt uns ein unverwechselbares Erbe mit eindruckvoller Vielfalt an natürlichem und kulturellem Reichtum. Die Region ist bis heute geprägt von Weinbau, Schifffahrt, Kleingewerbe und Tourismus. Im Juni 2002 würdigt die UNESCO diese einmalige Verbindung natürlicher und kultureller Elemente als „Fortbestehende Kulturlandschaft“ und ernennt den Mittelrhein zum Welterbe.

Fluss – Stadt – Weinberg – Burg

Die Besiedlung der Rheinufer hat ihre Wurzeln in der Nutzung des Flusses als wichtigstem Verkehrsweg vom Meer bis an die Alpen. Das Mittelrheintal säumen auf einer Strecke von etwa 65 Kilometern Städtchen, deren Ursprung sich teils bis zur römischen Besiedelung vor 2000 Jahren zurückverfolgen lässt. Diese Orte strahlen bis heute mittelalterliches Flair aus. Ein großer Teil jahrhundertealter Bausubstanz ist in Form von Bürgerhäusern, Stadtmauern und Wehranlagen liebevoll bewahrt und erhalten. Von steil aufragenden Felsen aus überwachten trutzige Burgen den Schiffsverkehr. Die beförderten Waren wurden mit Zöllen belegt. Auch Raubritter schröpften über lange Zeit Kaufleute und Händler. Der Preis der Güter verteuerte sich durch Abgaben auf dieser Flussstrecke um das Zehnfache. Zwischen Koblenz und Bingen bestanden zeitweise mehr als 15 Zollstationen – erst 1865 wurde die letzte bei Kaub geschlossen. Einige Gemeinden traten der Hanse bei, einem Bund von Kaufleuten norddeutscher Städte, was die Bedeutung dieses Handelsweges unterstreicht.

Die Burgen

Früher bereisten also Kaufleute, heute eher Touristen aus aller Welt das Mittelrheintal. Die besonderen Attraktionen sind – neben der Landschaft des engen Flusstales – die 21 Burgen und Ruinen. Nur zwei Burganlagen sind unzerstört erhalten geblieben: der Pfalzgrafenstein bei Kaub im Rhein und die Marksburg bei Braubach. Noch zu Beginn des 19. Jahrhundert waren fast alle anderen Burgen zu Ruinen zerfallen. Gerade diese Ruinen aber begründeten die Rhein-Romantik – am bekanntesten wurde die Ruine der Werner Kapelle in Bacharach. Mit dem Beginn der preussischen Herrschaft am Rhein begann im 19. Jahrhundert ein Wiederaufbau der Ruinen. Es entstanden neue Architekturen wie etwa Schinkels Jagdschloss für die preussischen Könige in den Ruinen der Burg Stolzenfels. Heute dienen einige Burgen als Hotels, Jugendherbergen oder Museum und sind zur Besichtigung offen. Weltweit gibt es nirgends mehr Burgen im vergleichbaren Raum.

Der Wein

Die Römer brachten den Wein in die Region. Doch erst ab dem 6. Jahrhundert kultiviert man hierzulande die Weinrebe. Seit dem 12. Jahrhundert prägen die für das Tal so typischen Terrassen das Landschaftsbild. Auf diesen von Menschenhand geschaffenen Weinlagen lesen die Winzer Weine, wie den Riesling, Silvaner oder Grauburgunder, die auf der ganzen Welt geschätzt sind. Die Schieferlagen des Devon bieten optimale Bedingungen für den Weinbau. Tagsüber heizt die Sonne die schiefrigen Böden des Tals auf, nachts gibt der Boden diese Wärme wieder ab. Die mineralischen Bestandteile wirken wie ein Langzeitdünger und verleihen dem Wein, insbesondere dem Riesling seinen charakteristischen Geschmack.

Die Verkehrsadern

Nirgends sonst in Europa gibt es eine vielschichtigere Kulturlandschaft. Handel und Verkehr haben hier in friedlichen Zeiten Begegnungen aller europäischer Regionen ermöglicht – in kriegerischen Zeiten aber mussten die Bewohner besonders unter den durchziehenden Truppen und ihren Zerstörungen leiden. Beidseitig durch jeweils Schienen- und Straßenstränge eingefasst, schlängelt der Fluss talwärts. Seine Fließgeschwindigkeit ist durch die Enge des felsigen Flussbetts hoch. Noch heute bergen Untiefen und Felsen, besonders entlang der Loreley und im Binger Loch, Gefahren für die Binnenschiffer. Moderne Radartechnik hat die Lotsen in den letzten Jahrzehnten abgelöst. Heute darf der Rhein auch nachts befahren werden. Noch vor hundert Jahren mussten die Schiffe mit Dämmerung am Ufer festmachen. Neben Kähnen, Fracht- und Passagierdampfern trieben Flößer Baumstämme rheinabwärts. Fischerei war ein traditions- und ertragreiches Gewerbe.

© arttec-grafik.de

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