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27. März 2009

St. Goarer Altar: Ein Kunstwerk aus der Werkstatt des Hausbuchmeisters

Unser Bild zeigt v.l.n.r.: Stadtbürgermeister Walter Mallmann, Dr. Franz L. Pelgen, Pastor Weber und Stadtarchivar Franz-Josef Schwarz

Dass sie einen wertvollen Kirchenschatz besitzen, wurde vielen St. Goarer Bürgern erstmals bewusst, als sie auf Einladung der Kath. Pfarrgemeinde St. Goar mit Herrn Pastor Manfred Weber und Stadtbürgermeister Walter Mallmann zahlreich in die Rheinfelshalle kamen, wo der Kunstwissenschaftler Dr. Franz L. Pelgen aus Nieder-Olm in Form eines Lichtbildervortrages über den St. Goarer Altar referierte.

In der Retabel des Hochaltares der kath. Pfarrkirche befindet sich ein Triptychon, bestehend aus den Gemälden der Kreuzigung Christi, Mariä Verkündigung, Schlüsselübergabe an Petrus und der heiligen Sebastian und Katharina von Alexandrien, die man lange Zeit nicht dem richtigen Künstler und der Entstehungsjahreszahl zuordnen konnte.

Pastor Manfred Weber konnte zum Vortrag über den St. Goarer Altar in der Rheinfelshalle zahlreiche Besucher begrüßen

Die Gemälde werden heute der Werkstatt um den so genannten Hausbuchmeister zugeschrieben und in die Zeit um 1500 datiert. Dr. Pelgen verglich den St. Goarer Altar mit dem sog. Speyerer Passionsaltar, der sich heute im Augustinermuseum von Freiburg i.Br. befindet und den Gemälden des Mainzer Marienlebens aus dem Mittelrheinischen Landesmuseum in Mainz und zeigte Parallelen auf, mit denen bewiesen werden kann, dass der St. Goarer Altar der Hausbuchmeisterschule zugeschrieben werden kann. Es würde jetzt hier zu weit führen zu beschreiben, wer dieser Künstler ohne Namen ist, den man als den Hausbuchmeister bezeichnet. Dr. Pelgen in seinem Vortrag ist es gelungen, ihn zu identifizieren.

Die Altarbilder kamen auf abenteuerliche Weise nach St. Goar. Im Jahr 1806 wurde ein Findelkind auf den Namen Marianne Barbara St. Goar katholisch getauft. Dieses kam später in die Dienste eines spanischen Konsuls, der ihr als Dank für ihre finanzielle Hilfe die Gemälde übereignete, die wohl ursprünglich aus der säkularisierten Stiftskirche von Neustadt a.d. Weinstraße stammten. Nach einem Spendenaufruf für den Neubau der kath. Pfarrkirche übereignete Frau Marianne Barbara Hillenbrand, wie sie nach ihrer Eheschließung hieß, die Bilder im Jahr 1863 der hiesigen Kath. Pfarrgemeinde, die dann 1892 in den neugotischen Hochaltar eingebaut wurden. Erst auf der kunsthistorischen Ausstellung in Düsseldorf 1904 und auf der Kölner Jahrtausendausstellung 1925 erkannte man ihren Wert.

Dr. Pelgen wies aber auch in seinem Vortrag auf die vielen schadhaften Stellen an den Gemälden hin, die dringend einer Restaurierung bedürfen, damit sie auch zur Erbauung künftiger Generationen erhalten bleiben.

Als Ergebnis des Referates steht auf jeden Fall fest: Der wohl kurz vor 1500 entstandene Altar in St. Goar stammt aus der Werkstatt des „Hausbuchmeisters“.
Und der gilt unumstritten als der wohl bedeutendste Maler, Kupferstecher und Zeichner zwischen Martin Schongauer einerseits und Albrecht Dürer und Matthias Grünewald andererseits.

Franz-Josef Schwarz