23. Februar 2009
Weinkonvent zum Heiligen Goar schmeckt den Süden
Gelungene Weinprobe mit Experimentiercharakter
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Auf Einladung seines Gründungspräsidenten Walter Mallmann unternahm der Weinkonvent diese klangvolle Reise, deren Kommentierung zwar der Mäzen selbst übernahm, deren weinliche Einzelbewertung jedoch den Konventsmitgliedern ob der ungewohnten Provenenzien so einiges abverlangte.
Was Weinbewertungen im Übrigen generell wert sind, darüber hat „Der Spiegel (6/09)“ gerade berichtet. Wissenschaftler in den USA haben den Weintestern bescheinigt, dass sie oftmals grandios irren und gleiche Weine bei wiederholten Blindbewertungen auch mal gegensätzlich bewerten.
Die St. Goarer Weinfreunde ließen sich davon nicht beirren. Sie fanden beim Probieren schnell heraus, dass der spanische Rioja-Weißwein, ein „Candidato Viura Blanco 2007“, in der Tat doch eher als schlichter Konsumwein bezeichnet werden sollte.
Die zweite Probe galt einem griechischen Weißwein aus der Domaine Porto Carras auf der Halbinsel Chalkidike. Unter Anleitung von Winzern aus Bordeaux wird hier seit 1960 Wald gerodet, um Fläche für den leichten Weißen aus der Athiri-Traube zu bekommen.
Trotz seiner 13 % Alkohol konnte auch dieser griechische „Senkrechtstarter“ (Zitat Walter Mallmann) die Weinherzen noch nicht so sehr erwärmen. Das änderte sich aber völlig beim dritten Wein, dem aus Georgien stammenden 2005 Mukuzani. Der hier noch unbekannte trockene Rotwein aus der Weinregion Kachetien im Kaukasus bestach durch seine dunkel-rubinrote Farbe, seinen samtigen Geschmack und die nach Weihrauch und Lakritz schmeckende pfeffrige Duftnote beim Abgang.
Mallmann´s Favorit war der 2005 Mount Athos aus dem Hause Evangelos Tsantalis, einer Domäne des Klosters Panteleimon. Rund 1700 Mönche in der von der UNESCO ausgezeichneten Mönchsrepublik arbeiten im Weinbau. Tsantalos bezeichnet diesen Wein völlig zu Recht als „Kultwein und Legende mit Klasse und Format“. Nach Kirschlikör und Lavendel duftend, wurde dieser inzwischen ausverkaufte Wein auch zum abendlichen Liebling der Weinfreunde auf der Burg Rheinfels.
Der folgende rote 2001 Marques de Zenete-Wein aus Andalusien, ein zauberhafter und feingliedriger Gran Reserva, stand dem Athos-Wein nicht viel nach. Seine samtige Fülle und die Duftnote nach Kirschen überzeugten sehr. Der bekannteste Rotwein Georgiens, der süße Kindzmarauli, soll Stalins Lieblingswein gewesen sein, aber den deutschen Zungen mundete er eher wie Kirschsaft. Seine tiefrote Farbe, seine intensive Duftnote, sein kräftiger Geschmack prädestinieren ihn als Abgangswein für eine süße Tafel oder kräftigen Käse.
So „einfach zum Trinken“ ist dieser Wein wohl weniger geeignet.
Das nicht überraschende Fazit dieser letztlich im Detail doch überraschenden Weinprobe hatte Präsident Reinhard Franz zur Hand: “Auch südliche Weine haben ihren Reiz, wirken aber teilweise doch uniformer als die differenzierten deutschen Weine. Der Süden rief zwar, aber der Mittelrhein bleibt doch die unbestrittene Wein-Heimat Nr. 1 des Konventes.
Adolf Meinung







