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26. Januar 2009

Moselwein trifft Rheinwein

Weinkonvent zum Heiligen Goar und Hansenorden eröffnen gemeinsam mit einer Mosel-Weingala das Weinjahr 2009

Der Präsident des Weinkonventes zum Heiligen Goar, Reinhard Franz (m.) und Hansenmeister Helmut Kwiczirowski (r.) bedanken sich bei Winzer Ernst-Josef Kees (l.) mit einer Flasche „Vinum Sancti Goaris“ aus dem Schlossberg-Wingert und dem neuen Hansenblatt für die fulminante Mosel-Weinprobe auf Burg Rheinfels.

Die Tatsachen sind unbestechlich. An der Mosel gibt es die größten Weinkellereien Europas, in denen täglich Millionen Flaschen Wein aus allen Herkunftsgebieten der Welt abgefüllt werden. Gleichzeitig kommen aber mehr als 25 Prozent der besten Winzer und der besten Weine Deutschlands von der Mosel.

Auch um diesen scheinbaren Widerspruch aufzulösen, hatten Weinkonvents-Präsident Reinhard Franz und Hansenmeister Helmut Kwiczorowski den Winzermeister Ernst-Josef Kees vom Weingut Kees-Kieren aus Graach an der Mittelmosel zu einer gemeinsamen Weinprobe auf die Burg Rheinfels eingeladen. Für den überzeugten Moselaner Kees, dessen Familie seit 12 Generationen Wein anbaut, war dies nach seinen Worten ein „Besuch in der Höhle des Löwen“, den er aber mit großem Respekt vor den stetig steigenden Leistungen der St. Goarer und aller Mittelrheinwinzer sowie des im Nachbarort Oberwesel präsidierenden Weinbaupräsidenten Gerhard Lambrich äußerst erfolgreich und kompetent vollzog.

Das Kompliment von der Mosel an die Welterbe-Winzer am Rhein konnten die Gäste des Abends schnell zurückgeben. Das seit Jahren mit über 40 Preisen aller Art hochdekorierte Weingut Kees-Kieren (u.a. Deutscher Rieslingpreis 1997 und 2005, 6. Platz beim Riesling Grand Prix 2008“) war in der Tat ein herausragender Vertreter des leichten und von den besten Devonschieferlagen in Kinheim, Erden, Graach und Kesten geprägten zartvolumigen und filigranen Mittelmoselweines höchster Qualität.

Die Probe begann mit einem seit Anfang der 90-er Jahre in der Kinheimer Steillage, direkt neben dem Erdener Treppchen, wieder angebauten, und nach der Lese lange vergorenen, trockenen Spätburgunder. Danach folgten sieben Rieslinge aus 2007 und 2005, deren Eleganz und Reife allesamt den hohen Standard des Weingutes erkennen ließen. Alle Trauben bleiben so lange als möglich am Stock, denn viel grünes Laub „veratmet“ Säure und trägt zur Zuckerbildung bei. Der Geschmack der trockenen Weine nähert sich damit dem der halbtrockenen.

Den „Graacher Domprobst“ 2007 probte man in zwei Varianten: als Spätlese trocken und als „Großes Gewächs“. Beide Weine gehörten zu den besten des Abends. Das „Große Gewächs“ mit 93° Oechsle gelesen und mit harmonischer Restsüße, entspricht den Höchstforderungen des „Bernkasteler Rings“, einer Vereinigung von lediglich 35 Spitzenbetrieben der Mosel mit Weltstatus, deren Weine einmal jährlich zu Höchstpreisen versteigert werden. Erst in zwei bis drei Jahren sollte dieser Wein sein endgültiges, unnachahmliches Potential erreicht haben.

In der Probe folgten Graacher Domprobst Kabinett halbtrocken, Graacher Himmelreich Spätlese halbtrocken und Domprobst Auslese feinherb. In dem Kabinett erspürte man den gewohnten Moselcharakter, leicht, mit nur 11 % Alkohol, der ideale Trinkwein. Die Auslese mit reduzierter Restsüße ist dagegen ein guter Essensbegleiter. Der einzige Erdener in der Probe, eine Treppchen Spätlese, ebenfalls versteigert im Bernkasteler Ring, wurde zu einem der Lieblinge des Abends: vollendet im Geschmack, Klarheit in der Farbe, mit reichem Körper und duftiger Note im Geruch.

Die Spitzenbewertung aller Weine von den Gästen erhielt die Graacher Himmelreich Auslese aus dem Jahr 2005. Dieser Wein wurde bei leichtem Frost von minus 6° C gelesen, als „andere Winzer noch schliefen“, so Ernst-Josef Kees doppelsinnig. Konzentrierter Traubensaft führte zu einem weiteren Höchsterfolgswein, der die Mosel in aller Welt so unvergleichlich prägnant präsentieren hilft. Die Mosel und der Mosel, das sind zwei Seiten einer Medaille. Am Rhein hat man an diesem Abend beide Seiten vollendet kennen gelernt.