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14. Oktober 2008

Jahrzehnte St. Goarer Schulgeschichte werden wieder wach

Das Klassenfoto, aufgenommen im Jahr 1908, aus der ehemaligen St. Goarer Volksschule ist 100 Jahre alt.


Längst ist der zweite Dienstag im Monat für die St. Goarer Senioren, die sich für die Geschichte ihrer Heimatstadt interessieren, ein fester Termin geworden. Beim jüngsten Treffen des Seniorenkreises „St. Goarer Geschichte(n)“ in der Rheinfelshalle war die Schulzeit das Thema. Stadtbürgermeister Walter Mallmann, der die Zusammenkünfte moderiert, konnte Dutzende von Fotos unterschiedlichster Motive vom wechselvollen St. Goarer Schulgeschehen vergangener Jahre in Empfang nehmen, dessen Duplikate jetzt geordnet dem Stadtarchiv zugeführt werden.

Es war von großem Vorteil, dass der langjährige Schriftleiter des St. Goarer Hansenblattes, Heinz Mühl, vor einigen Jahren mit großer Sorgfalt die Chroniken der ehemaligen städtischen Schulen und der heutigen Rheinfels-Schule in einem Bericht ausgewertet hatte, die von den früheren Lehrern in dankenswerter Weise sehr akribisch geführt wurden.

Es war mucksmäuschenstill in der Rheinfelshalle als Dorothea Krick eindrucksvoll über ihre Schulzeit vor, während und nach dem 2. Weltkrieg berichtete und ihre spannende Erzählung mit originellen Anekdoten würzte. Anwesende Schulkameradinnen pflichteten ihr jeweils bei. Sie wusste von Freud, Leid und Entbehrungen in schwierigsten Schuljahren zu erzählen.

Sie erinnerte sich daran, dass eines Tages das im Klassenzimmer hängende Kruzifix verschwunden war und der verbliebene hässliche Tapetenfleck durch ein Bild des damaligen Staatsoberhauptes verdeckt wurde. Als ABC-Schützin lernte sie mit ihren Mitschülern während des Krieges die Feuerlöschgeräte zu bedienen, Sand -und Wassereimer zu schleppen und mit der „Feuerpatsche“, einem aus dickem Stoff zusammen genähten viereckigen Lappen, der an einem Stiel zum Ausschlagen von Feuer befestigt war, umzugehen. Dorothea Krick: „Wir sammelten Heilkräuter, Buchecker, Kartoffelkäfer, Altpapier und Schrott für den Endsieg, züchteten Seidenraupen und strickten Socken, Schals und Pulswärmern für die Soldaten in Russland.“ Zum Ende des zweiten Weltkrieges fiel fast ein ganzes Schuljahr aus.

Walter Mallmann: „Im kommenden Monat steht das Thema ,St. Goarer Schulgeschichte’ erneut auf dem Programm der Senioren, da die Erinnerungen geweckt sind und es noch sehr viel zu erzählen gibt.“