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10. September 2008

„Kreissparkasse St. Goar“ hieß das Thema beim Seniorentreffen

Ansicht des im Bismarckweg gelegenen und im Jahr 1893 erbauten ersten Sparkassengebäudes

Man hätte eine Stecknadel zu Boden fallen hören können, so still war es beim Vortrag von Dorothea Krick, als sie anlässlich des jüngsten Seniorentreffens „St. Goarer Geschichte(n)“ ihre spannenden Kindheits- und Jugenderinnerungen zum Thema „Kreissparkasse St. Goar“ vortrug.

So erinnert sie sich an das Schulsparen, als der am Pult sitzende Lehrer gegen Abgabe der von den Kindern mühsam ersparten Spargroschen nach Wert geordnete rote, grüne und blaue Märkchen zum Einkleben in die persönliche Sparkarte ausgab.

Sparkassen-Utensilien aus alter Zeit

„Mit dieser Sparkarte traten wir ängstlich durch das monumentale Portal des im Jahr 1937 eingeweihten Kreissparkassengebäudes in der St. Goarer Heerstraße und erhielten ein Sparbuch“.

Mit den auch heute noch gültigen Volksweisheiten: „Junges Blut, spar dein Gut, Not im Alter wehe tut“ oder „Wer sein Geld im Strumpf verwahrt, für Diebe nur und Räuber spart“, so Dorothea Krick, wurde sie in ihrer Kindheit zum Sparen angehalten.

Viele der anwesenden Senioren fühlten sich an den ersten Arbeitstag in ihrem Leben zurück versetzt, als die erinnerungsstarke Zeitzeugin, so, als sei es gestern gewesen, von ihrer Einstellung als Lehrling bei der Kreissparkasse erzählte. Vor mehr als sechzig Jahren, am 1. April des Hungerjahrs 1947, stand sie als Vierzehnjährige in aus Fäden und Wollresten selbst gestrickten Kniestrümpfen und im aus verwaschenen Stoffresten geschneiderten Kostüm verschüchtert und frierend vor der Eingangstür der Kreissparkasse.

Grundsteinlegung für das neue Sparkassengebäude im Jahr 1936


Im „Allerheiligsten“ des Hauses, dem Direktorenzimmer, durch ein entsprechendes Türschild auch als solches bezeichnet, wurde sie vom Sparkassendirektor darauf hingewiesen, dass sie zwar mit der Lehre beginnen, einen Lehrvertrag jedoch nicht erhalten könne, da jederzeit die Entlassung anstehe, wenn ehemalige Mitarbeiter aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, wieder ihren früheren Arbeitsplatz einnehmen würden.

„Entnazifiziert wurde ich als Fünfzehnjährige dann auch noch”, erzählt Dorothea Krick und dass sie während ihrer vertragslosen Lehrzeit in der Angst stets auf Kohlen gesessen habe, dass ein versehentlicher Tintenklecks oder eine sonstige Bagatelle zur Entlassung führen könnte. Dazu kam es aber nicht. Dorothea Krick konnte bei ihrer Pensionierung auf eine langjährige Dienstzeit bei der St. Goarer Kreissparkasse zurückblicken.

Stadtbürgermeister Walter Mallmann ergänzte den genannten Zeitzeugenbericht durch einen detaillierten Vortrag über die Entstehungsgeschichte der Kreissparkasse St. Goar und ihrer Zeit bis zum 2. Weltkrieg. Der Vortrag wurde durch eine dazu von Stadträtin Hildegard Mallmann gestalteten Powerpoint-Präsentation visuell unterstützt. Dabei wurden beispielsweise die Ansicht des im Bismarckweg gelegenen und im Jahr 1893 erbauten ersten Sparkassengebäudes, Fotos früherer Zahlungsmittel, achtzig Jahre alte Sparbücher, Spardosen von anno dazumal und hoch interessante Bilderserien über den Bau und die Grundsteinlegung im Jahr 1936 und die ein Jahr später erfolgte Einweihung des in der St. Goarer Heerstraße gelegenen jetzigen Sparkassengebäudes gezeigt.