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19. Juli 2008

Die mittelrheinischen Weinbruderschaften trafen sich in St. Goar

In der neuen Rheinfelshalle entbot Stadtbürgermeister Walter Mallmann den Gästen den Gruß der Stadt und führte in deren Jahrhunderte währende Weingeschichte ein.

Dort wo guter Wein wächst, da gibt es auch Vereinigungen, die sich der Pflege der Weinkultur ihrer Heimat in besonderer Weise verbunden fühlen. Einmal jährlich treffen sich die Weinschwestern und Weinbrüder der verschiedenen Konvente aus Bacharach, Boppard, Oberwesel und St. Goar zu einem großen Treffen. Zum zweiten Mal war jetzt der 2002 gegründete „Weinkonvent zum Heiligen Goar“ aus der alten und traditionsreichen Weinstadt der Gastgeber. Präsident Reinhard Franz hatte mit seinem Senat, den rund 50 Mitgliedern seines Konventes und vor allem deren begeisterten Damen die Gastgeberrolle gern übernommen.

Um es vorweg zu nehmen: Es wurde eine acht Stunden währende, glanzvolle Präsentation, bei der wieder einmal der 2007 erstmals geerntete „Vinum Sancti Goaris“ aus dem Schlossberg zum Tüpfelchen auf dem „i“ der probierten Weine wurde.

In der Philipps-Mühle, dem kürzlich stilvoll restaurierten Winzerbetrieb im Gründelbachtal, an dessen Hängen auch der meiste St. Goarer Wein wächst, stärkten sich die Gäste bei einem lukullischen Mahl.

Der Tag wurde eingeleitet mit einem morgendlichen Sektempfang auf dem Marktplatz, dem eine eindrucksvolle Orgelmatinée mit Kantor Franz Leinhäuser auf der Stumm-Orgel in der Stiftskirche folgte. Stadtarchivar Franz-Josef Schwarz führte anschließend die rund 90 Gäste auf der „Via Sancti Goaris“, dem sehr illustrativ beschilderten Stadtrundweg, durch St. Goar. In der neuen Rheinfelshalle entbot Stadtbürgermeister Walter Mallmann den Gästen den Gruß der Stadt und führte in deren über Jahrhunderte währende Weingeschichte ein. Schon hier öffneten Weine der St. Goarer Winzer die Zungen zu redseligem Geplauder.

Mit dem Burg-Express ging es zur Philipps-Mühle, dem kürzlich stilvoll restaurierten Winzerbetrieb im Gründelbachtal, an dessen Hängen auch der meiste St. Goarer Wein wächst. Zum Höhepunkt des sonnigen Tages wurde im Burghof auf der Rheinfels die große Probe der St. Goarer Weine, jeweils selbst von den Winzern Peter Schneider, Jürgen Wiegand, Thomas Philipps und Gerhard Lambrich präsentiert.

Die große Weinprobe fand im Hof der Burg Rheinfels statt: Unser Bild zeigt v.l.n.r. Stadtbürgermeister Walter Mallmann (St. Goar) Präsident Dr. Randolf Kauer (Bacharach), Winzer Josef Philipps (St. Goar), Präsident Hans-Peter Schüz (Boppard), Präsident Reinhard Franz (St. Goar), Winzer Gerhard Lambrich (Oberwesel-Dellhofen), Winzer Jürgen Wiegend (St. Goar), Winzer Thomas Philipps (St. Goar) und Kellermeister Werner Eckes (St. Goar).

Konventspräsident Reinhard Franz führte den Weinfreunden noch einmal das Jahr 2007 mit seinem langen, warmen Frühling, dem nicht zu heißen Sommer und dem lang anhaltenden Herbst ins Gedächtnis. Die mittelrheinischen Weine dieses Jahrgangs zählen sicher zu den besten der letzten zwanzig Jahre. Der Stolz der St. Goarer Bürger auf den wieder gewonnenen Weinberg unterhalb von Burg Rheinfels war dabei unüberhörbar. Die Probe führte mit den Weinen von Goswin Lambrich („Dornfelder, mit Kirscharomen“), Peter Schneider („Spätburgunder trocken, hell und aromatisch“), Jürgen Wiegand („Riesling Kabinett Burg Rheinfels, gradlinige Säure, typischer Rheinwein“), Goswin Lambrich („Riesling trocken, Burg Rheinfels, harmonisch“) schnell zum Vinum Sancti Goaris (Riesling Burg Rheinfels, feinherb“) und zum Abschluss zum St. Goarer Ameisenberg, lieblich, von der Philipps-Mühle.

Natürlich wurde auch hier noch einmal die fast unglaubliche Geschichte der Wiedererweckung des St. Goarer Schlossberges im Jahre 2005 als zentraler Weinlage der Stadt ausführlich erörtert. Schlossberg-Winzer und Mittelrhein-Weinbau-Präsident Gerhard Lambrich dankte den Initiatoren Stadtbürgermeister Walter Mallmann und Thomas Burg von der Weinbaubehörde für ihren Mut zu dieser visionären Idee mit Beispielcharakter für andere Weinorte am Mittelrhein. Dem UNESCO-Wunsch nach Wiederherstellung der alten Weinlagen hat St. Goar ohne Zögern entsprochen – und wie man jetzt weiß, mit Erfolg und Geschmack.

Die abschließenden Worte der Gäste dieses Tages drückten über den von ihnen nicht erwarteten vinologischen Höhepunkt des Jahres in St. Goar ihre Bewunderung und auch ihre Überraschung aus. Andreas Schmelzeisen aus Oberwesel, Hans-Peter Schüz aus Boppard, und Prof. Dr. Randolf Kauer aus Bacharach lobten als Vorsitzende der nachbarlichen Weinbruderschaften die St. Goarer Freunde: „Ihr habt etwas vollbracht, auf das wir alle stolz sind. Wo nichts mehr war, da habt Ihr die alte Weinkultur wieder hergestellt.“