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10. Januar 2008

Die Senioren erforschen die St. Goarer Gassen

Der letzte Lohspeicher, in dem die gegerbten
Häute getrocknet und luftig gelagert wurden,
wurde 1925 abgerissen, nachdem die St. Goarer
Gerbereien bereits um 1900 stillgelegt worden waren.

Bei ihren Recherchen über das städtische Leben in früherer Zeit erforschen die Senioren des Treffs „St. Goarer Geschichte(n)“ unter der Leitung von Stadtbürgermeister Walter Mallmann die Geschichte der Straßen, Gassen und Häuser in ihrer Stadt. Es gibt in St. Goar nur wenige Straßen, die den Namen einer Persönlichkeit tragen. Es sind der Bismarckweg, die Herpellstraße, die Grebelgasse und die Viktor-Napp-Gasse.

Bei der jüngsten Zusammenkunft stand die Letztere im Mittelpunkt des Interesses. In dem vor 160 Jahren erschienenen Buch von Alexander Grebel „Geschichte der Stadt St. Goar“ wird darauf hingewiesen, dass es im Laufe der Jahrhunderte in St. Goar zahlreiche Rats- und Gemeindebürgermeister mit dem Familienname Napp gab.

Der Stammvater der Familie Napp betrieb schon im 16. Jahrhundert im Gründelbachtal auf der Werlauer Gemarkung eine Mühle. Die Söhne arbeiteten als Loh- und Weißgerber. Um das Jahr 1700 wurden bereits am Wocherbach die ersten Lohgerbereien eingerichtet. In der Folge wurde der Bach deshalb Lohbach genannt, so wie er auch heute noch bezeichnet wird. Fast 400 Jahre lang, von 1480 bis 1900, so erzählt die Chronik, blühte die St. Goarer Lederindustrie. Das St. Goarer Leder war wegen seiner guten Qualität weltbekannt. Der letzte Lohspeicher, in dem die gegerbten Häute getrocknet und luftig gelagert wurden, wurde 1925 abgerissen (unser Foto), nachdem die St. Goarer Gerbereien bereits um 1900 stillgelegt worden waren.

Von Viktor Napp, dem Namensgeber der Gasse ist bekannt, dass er als Spross der berühmten St. Goarer Lederdynastie in Mexiko zu Wohlstand gekommen war und seiner Heimatstadt eine hohe Summe Geld vermachte.

In der Familiengeschichte ist auch nachzulesen, dass sich die Nachkommen der meist kinderreichen Napp-Familien in die ganze Welt zerstreuten. Von Viktor Napp (unser Foto), dem Namensgeber der Gasse ist bekannt, dass er als Spross der berühmten St. Goarer Lederdynastie in Mexiko zu Wohlstand gekommen war und seiner Heimatstadt eine hohe Summe Geld vermachte.

Im St. Goarer Kreisblatt vom 25. September 1867 gibt der damalige Bürgermeister Trapmann dazu folgenden Hinweis: „Meinen geehrten Mitbürgern gegenüber glaube ich die Verpflichtung zu haben, nachstehenden Auszug aus einem Schreiben des Herrn C. Benecke zu Mexiko, vom 9. März 1867, an Seine Excellenz, den Herrn Grafen von Bismarck, unseren hoch verehrten Ministerpräsidenten, zur allgemeinen Kenntnis zu bringen.“

In dem Schreiben heißt es wörtlich: „Herr Victor Napp, aus St. Goar am Rhein gebürtig, 46 Jahre alt, ist am 25. Februar mit Tod abgegangen. Derselbe hat während seines neunzehnjährigen Aufenthalts in der Hauptstadt Mexiko auf dem Comptoir der Herren de Wilde & Comp., deren Nachfolger die Herren Est. Benecke & Comp. sind, gearbeitet, erhielt von letzteren die General-Vollmacht und ist während dieser Zeit zu verschiedenen Malen mit dem Königlichen Consulate, sowohl hier in der Hauptstadt, wie im Minendistrikte Angaguew, betraut gewesen; er genoss bei Fremden und Einheimischen die größte Achtung und erregte sein Hintritt allgemeines Bedauern. In seinem im Consulate nachgelassenen Testamente, dessen Veröffentlichung in Gegenwart des Königlichen Minister-Residenten Herrn A. von Magnus geschehen, findet sich folgende Stelle: ,Ich vermache hiermit der Stadt St. Goar Zehntausend Preußische Thaler, wovon die Zinsen der Hälfte zur Verbesserung der Gehalte der städtischen Lehrer und überhaupt zu Schulzwecken zu verwenden, die Zinsen der anderen Hälfte aber für das allgemeine Beste der Stadt zu verbrauchen sind´. gez. C. Benecke“

In einem Schreiben, dessen Text in der handgeschriebenen Chronik der Stadt St. Goar zu entnehmen ist, bedankte sich Bürgermeister Trapmann im Namen der Bürgerschaft bei der Familie des Verstorbenen für die hohe Spende. Die Stadt benannte nach der Einführung von Straßennamen in St. Goar eine Gasse nach dem großzügigen Gönner.