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09. Januar 2008

Architekturwettbewerb bringt Ideen für das Welterbe

Hotel Landsknecht investiert in Ausbau – Initiative Baukultur fördert herausragendes Vorhaben in St. Goar – Preisträger gekürt

Präsentation der ausgezeichneten Entwürfe. Unser Bild zeigt (von links): Stadtbürgermeister Walter Mallmann, Landschaftsplaner Dirk Melzer (2. Preis, Büro Stadt-Land-plan), Marcus Hille (3. Preis, Büro Hille Architekten), Bauherrin Martina Lorenz, Hans-Dieter Gassen (Präsident der SGD Nord), Wettbewerbssieger Peter Hetzel, Ursula Knabe (SGD Nord), Thomas Vogt (SGD Nord) und Monika Becker (Vizepräsidentin der SGD Nord).

Ein Hotel in exponierter Lage direkt am Rhein, sieben Architekturbüros, die sich mit ihren Entwürfen an einem Wettbewerb für den geplanten Ausbau beteiligten, große Unterstützung der beteiligten Behörden und des Landes Rheinland-Pfalz: So wird in beispielhafter Weise gezeigt, wie qualitätsvolle und zeitgemäße Architektur im sensiblen Welterbe Oberes Mittelrheintal entstehen kann. Dies betonte der Präsident Hans-Dieter Gassen, der zugleich Bevollmächtigter für das Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal ist, als er heute in Koblenz die Entwürfe für das Projekt vorstellte und die Preisträger des Wettbewerbs bekannt gab.

Martina Lorenz, Chefin des St. Goarer Flair-Hotels Landsknecht, hatte sich Anfang des Jahres zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen: Sie legte den schon länger geplanten Um- und Ausbau ihres Hauses in fremde Hände. Das am Ortsausgang von St. Goar, direkt am Rhein, gelegene Hotel wurde Gegenstand eines Architekturwettbewerbes, ausgerichtet von der Initiative Baukultur für das Welterbe Oberes Mittelrheintal. Ziel war es, eine optimale Lösung für die Neugestaltung der Außenanlagen und der Fassade, aber auch eine mögliche Erweiterung des Hotels zu finden.

Gute Gründe sprachen für die Teilnahme an dem Architekturwettbewerb, sagte Hans Dieter Gassen bei der Präsentation der Wettbewerbsergebnisse. Denn den Wettbewerb und alle damit verbundenen Vorleistungen gibt es vom Land Rheinland-Pfalz zum Nulltarif. Im Gegenzug verpflichtet sich der Bauherr lediglich dazu, den Entwurf eines der späteren drei Preisträger auch tatsächlich umzusetzen.

Ein Teil der Baumaßnahme, die am Hotel Landsknecht realisiert werden soll: Ein moderner, flacher Glaspavillon schmiegt sich als Eingangsbereich an das Gebäude.

Damit die Architekten nichts planen, was den Vorstellungen der Bauherrin völlig widerspricht, war Martina Lorenz von Beginn an in das Verfahren integriert und saß natürlich auch im Preisgericht. In diesem Fall waren auch der Ehemann, Joachim Lorenz, und die Mutter und frühere Hotelchefin, Lidwina Nickenig-Kehring, mit von der Partie. Mit den Ergebnissen des Wettbewerbs ist die Hotelierfamilie sehr zufrieden. Martina Lorenz: „Meine größte Sorge war, dass mir keiner der Entwürfe zusagt. Doch mir gefällt der Entwurf des Wettbewerbssiegers tatsächlich am besten, weil er bis auf einige Kleinigkeiten genau meinen Bedürfnissen und Wünschen entspricht.“

Die Jury, bestehend aus Vertretern der SGD Nord, des rheinland-pfälzischen Finanzministeriums, der Stadt St. Goar sowie verschiedenen Architekten, zeigte sich aber auch insgesamt höchst angetan von den kreativen Entwürfen der sieben teilnehmenden Büros, die bewiesen hätten, dass es möglich ist, eine an die Besonderheiten des Welterbes angepasste und dennoch moderne, zeitgemäße Architektur zu verwirklichen.

Gewonnen hat die Arbeitsgemeinschaft der „BHP-Architekten“ aus Koblenz (Peter Hetzel und Michael Lanzerath) und das Ingenieurbüro Wolf + Blumenthal aus Mainz (Wolf Blumenthal und Frau Oppenberg). Diese haben, sehr zur Freude der Bauherrin, ein „stimmiges Gesamtkonzept“ vorgelegt, welches eine „attraktive, landschafts- und funktionsgerechte Gestaltung des Hotels wie der Außenanlagen“ vorsehe, betonte das Preisgericht. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auch auf die Wirtschaftlichkeit gelegt, eine schrittweise Realisierung des Gesamtprojekts ist leicht möglich. Die weiteren Preisträger sind das Büro Hertel, Kilian und Reichle aus Köln in Zusammenarbeit mit dem Büro Stadt-Land-plan aus Kaub (Dirk Melzer), die den zweiten Preis erhielten, sowie Architekt Marcus Hille (Ingelheim/Mainz), der gemeinsam mit dem Büro Adler+Olesch (Mainz) den dritten Platz errang.

Bei der nun folgenden Umsetzung des preisgekrönten Entwurfs kann sich Familie Lorenz auf die Unterstützung der Genehmigungsbehörden verlassen. Da diese „mit am Tisch saßen“, dürfte von dieser Seite her einer Realisierung des Vorhabens nichts im Wege stehen. Geplant ist, laut Martina Lorenz, in etwa einem Jahr mit den Umbaumaßnahmen zu beginnen. Nach dem Projekt „Umgestaltung eines Fachwerkhauses zu einem Café und Geschäftshaus in Bacharach“ im vergangenen Sommer ist das Projekt „Ausbau des Hotels Landsknecht in St. Goar“ das zweite Vorhaben, das durch die Initiative Baukultur gefördert wird. Ein dritter Architektenwettbewerb, wiederum handelt es sich dabei um ein Objekt in St. Goar, wird derzeit von der SGD Nord vorbereitet.