18. November 2006
Vor dreißig Jahren: St. Goarer „besetzten“ Mainzer Innenstadt
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Die Rhein-Zeitung berichtete am 22. Januar 1977 ausführlich in Wort und Bild über die Demostration der St. Goarer Bürger in Mainz. |
Es ist inzwischen dreißig Jahre her, dass der von der damaligen rheinland-pfälzischen Landesregierung konzipierte Krankenhauszielplan die Gemüter am Mittelrhein heftig erregte. Es galt wegen der bereits damals erfolgten Kostenexplosion im Gesundheitswesen landesweit die Krankenhausbettenzahl zu verringern. Es war von einem „Bettenberg“ die Rede. Auch die drei Krankenhäuser in Boppard, St. Goar und Oberwesel waren von der aktualisierten Landesplanung mehr oder weniger existentiell betroffen.
Vor allem in St. Goar schlugen die Wogen hoch, denn das für die medizinische Grundversorgung eingerichtete Haus sollte in eine geriatrische Klinik, also ein Krankenhaus für die Altersheilkunde, umgewandelt werden. Der Verlust des Kreissitzes mit dem einhergehenden Wegfall der hauptamtlichen Amts- und Stadtverwaltung – mit den bis heute schmerzlich spürbaren Folgen – war erst wenige Jahre her und der sich in St. Goar lautstark vernehmbare Bürgerprotest um so verständlicher.
In den Pressemeldungen der damaligen Zeit ist von Eingaben der örtlichen Kommunalpolitiker jeglicher Couleur gegen das Vorhaben zu lesen. Von einer „mittelrheinischen Einigkeit“ allerdings ist wenig zu erfahren, denn alle drei Städte wollten ihr Haus möglichst unverändert erhalten. „Hemd und Rock“, so schreibt es der Kommentator damals in der Rhein-Zeitung, seien den örtlich Verantwortlichen näher. Lediglich die Menschen im rechtsrheinischen St. Goarshausen, so ist nachzulesen, machten sich für den unveränderten Erhalt des Krankenhauses in der gegenüberliegenden Schwesterstadt stark.
Bei seinem jüngsten Treffen befasste sich der Seniorenkreis „St. Goarer Geschichte(n)“ unter der Leitung von Stadtbürgermeister Walter Mallmann, der damals als junger Landtagsabgeordneter im Mainzer Parlament das Geschehen hautnah erlebte, mit diesem Teil der sehr wechselhaften St. Goarer Krankenhausgeschichte.
Zu diesem Thema ist bei einem großen Teil der älteren St. Goarer die Erinnerung noch hellwach. Bei einer öffentlichen Protestveranstaltung war die Mehrzeckhalle zu klein und zahlreiche der insgesamt 700 Teilnehmer erlebten die nach außen übertragene hitzige Debatte an einem kalten Januarabend vor der Tür. Die dort vorgebrachten Beschwerden gipfelten in der Aussage, dass beim Krankenhausplan der Teufel im Spiel sei.
Mehrere Zeitzeugen berichteten jetzt, so als sei es gestern gewesen, von der eindrucksvollen Demonstration in Mainz. „Mit mehreren Bussen fuhren wir am 20. Januar 1977 in die Landeshauptstadt und eine ganze Karawane von Pkw schloss sich an.“ Am Mainzer Südbahnhof stellte sich der offiziell angemeldete Protestzug auf und setzte sich in Richtung Regierungsviertel in Bewegung. Achthundert Bürger aus St. Goar und Umgebung „besetzten“ die Mainzer Innenstadt.
Ein Zeitzeuge zitiert den Zeitungsbericht vom 22. Januar 1977 über das damalige Geschehen, bei dem die St. Goarer einiger gewesen seien als je zuvor und auch danach: „Trommelwirbel, schwarze Fahnen und Polizeifahrzeuge führten den Protestzug an. Ein schwarzer Sarg symbolisierte den Tod des St. Goarer Krankenhauses, wenn der Zielplan in der vorgesehenen Form durchgesetzt würde.“
Die Mehrzahl der mittelrheinischen Demonstranten stärkte sich nach der Auflösung des Zuges an der mitgeführten Gulaschkanone. Der damalige Gesundheitsminister Dr. Heiner Geißler empfing eine kleine Delegation der Bürgerinitiative und stellte eine Überprüfung des Krankenhauszielplans in Aussicht.
Was daraus wurde und wie es später zum Verbund des St. Goarer und Oberweseler Krankenhauses zu den Loreleykliniken St. Goar-Oberwesel kam, so erklärte Walter Mallmann beim jüngsten Seniorentreffen, das werde das Thema des ersten Treffens im kommenden Jahr sein. Im Dezember steht erneut das allgemeine Thema „Gründelbachtal“ im Mittelpunkt der Recherchen.






