20. Januar 2012
Weinhandwerker „mit Ecken und Kanten“ beim Weinkonvent präsentiert
![]() |
Als Gastgeber begrüßen Präsident Lothar Wahl und Hansenmeister Helmut Kwiczorowski (1. u.2.v.r.) sowie Kellermeister Werner Eckes (l.) den Winzermeister, Dipl. Ing. (FH) Peter Querbach (2.v.l.) aus Oestrich-Winkel beim ersten Weinprobenabend im renovierten Hansensaal auf Burg Rheinfels |
Der lange Abend gab ihm und Hansenmeister Helmut Kwiczorowski als Mitgastgeber eindrucksvoll recht. Schon die ungewöhnliche Reihenfolge der neun Spitzenweine aus dem mittleren Rheingau zeigt, was gemeint war: VdP-Winzer Querbach stellt seine Weine „rückwärts“ vor, von den älteren zu den jüngeren Jahrgängen. Begonnen hatte der Abend mit einem 2003 Pinot Noir, der erst zum Essen seine ganze Fülle entfaltet. Den Begriff Pinot Noir an Stelle von Spätburgunder setzt Querbach dabei als reines Marketinginstrument für seine internationalen Kunden ein. Weiter ging die Probe mit dem 2005er und 2006er Hallgarten Riesling, gefolgt vom 2007er Edition, dem 2008er Q1 („er ist AUDI-Fan“!), dem 2009er Oestricher Doosberg und endete beim 2010er Riesling Classic, den er eigens für die Probe erst abgefüllt hatte. Denn auch dieses ist sein Markenzeichen. Kein Wein kommt jung auf die Flasche. Die Weine werden erst im jeweils übernächsten Jahr angeboten. Alle Weine werden dabei mit ihrer eigenen natürlichen Hefe vergoren, egal, wie lange dies dauert. Den „2006er Riesling Fruchtig“ schenkte er dem Weinkonvent als besonders eleganten und krönenden Abschluß.
In seinen Weinbergen betreibt Peter Querbach nachhaltige Humuswirtschaft mit winterhartem Roggen, Raps u.ä., die in den Boden eingearbeitet werden. Bei drei Prozent Humusanteil entwickeln sich seine besten Weinlagen.
Die deutschen Weinbeschreibungen hält er für viel zu kompliziert. Seine Weine haben kurze Titel und werden nur in sogenannten Linien vermarktet, die auch auf den Flaschen verzeichnet sind: Schoppen, Classic, Edition, Ortsriesling, Lagenriesling und Erstes Gewächs. Da er außer dem Pinot Noir nur Rieslinge anbaut, gelingt diese Maßnahme ausgezeichnet. Alle trockenen Gutsweine sind im Stil der Charta Rheingau vinifiziert.
Und noch etwas macht dieser grandiose und erfolgreiche Weinhandwerker, wie er von der Fachpresse gern genannt wird, anders: Zu Weinproben, gleich ob rot oder weiß, verwendet er nur ein einziges Glas, das er zwischen den Proben kurz mit Mineralwasser spült- das sogenannte Tritanglas aus Zwiesel. Dies ist ein übergroßes, klares Weinglas, dem Bordeauxglas gleich. Nach seiner Meinung entfalten sich in ihm alle Weine besser als in den üblichen kleineren Gläsern. Bleikristallgläser verändern nach seiner Meinung den Geschmack erheblich. Für klassische Weintrinker war es dann schon fast kein Schock mehr, dass Peter Querbach alle! Weinflaschen mit einem besonders raffinierten Kronenkorken verschließt, der sich nach dem Öffnen der Flasche sogar wieder aufbringen lässt.
Die über 60 Gäste dieses Abends erlebten eine sehr ungewöhnliche Weinprobe, zu der auch Konvents-Neuling Franz-Josef-Gärtner mit einem warmen Büffet eine gute Grundlage geschaffen hatte.







