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26. Juli 2010

Ein Quetschehannes für die Ewigkeit

- Steinerne Galionsfigur der „Biewerumer Quetschekerb“ aufgestellt -

„Die Bach“ war vollgepackt mit Besuchern. Sie alle wollten dabei sein, als ihr Quetschehannes enthüllt wurde.

Nun steht er da, der Quetschehannes, aus massivem Basaltstein gemeißelt, 400 Kilogramm schwer, 160 Zentimeter groß, mitten im Dorfzentrum „An der Bach“. Überraschend viele Besucher aus Nah und Fern hatten sich bei schönem Sommerwetter am Dorfplatz versammelt, um der Einweihungszeremonie beizuwohnen, zu der Ortsvorsteher Bernd Heckmann eingeladen hatte.

Das Hannesdenkmal, umringt von Ortsvorsteher Bernd Heckmann, dem Schöpfer der Skulptur Jörg Barth mit Ehefrau und jugendlichen Kirmes-Nachwuchs.

In seiner Begrüßung dankte Heckmann dem Schöpfer der Skulptur, Jörg Barth, für sein gelungenes Werk und seinen ehrenamtlichen Einsatz. Als „Zeichen des Dankes und der Wertschätzung“ überreichte er dem kreativen Steinmetz ein Präsent in Form eines Gutscheines für sportliche Aktivitäten. Barth, der 1993 selbst Biebernheimer Kirmespräsident war, hat die Arbeit nach eigenem Bekunden viel Freude bereitet, fühlt er sich doch der Tradition seines Heimatdorfes verpflichtet. Ein besonderer Dank des Ortsvorstehers galt weiterhin Robert Barth und Günther Link, die partnerschaftlich neben dem Ortsvorsteher mit dem Heimatverein die Federführung innehatten. Weiterhin dankte Heckmann weiteren zahlreichen Mitwirkenden, so einer Abordnung des Musikvereins St. Goar für die musikalische Umrahmung, den Biebernheimer Ortsvereinen für finanzielle wie auch tatkräftige Unterstützung, zahlreichen Einzelpersonen für größere Einzelspenden, der Kerwejugend für die Zuwendung von 1.300 Euro von ihrem „Kerwekonto“, Daniel Kleinz für das technische Sound-Equipment, den Mitarbeitern des Bauhofes der Stadt St. Goar, den vielen Helferinnen und Helfern, Hans-Werner Brand für die musikalische Unterhaltung mit seinem Akkordeon sowie den Gasthäusern „Zum Rebstock“ und „Zur Linde“ für die Bewirtung.

Auch Stadtbeigeordneter Gerhard Rolinger als Vertreter von Stadtbürgermeister Walter Mallmann dankte allen Beteiligten und sprach in seinen Begrüßungsworte dem Erschaffer der Steinfugur, Jörg Barth, für seine Leistung die besondere Anerkennung der Stadt St. Goar aus, die das städtische Grundstück für diesen Zweck gern zur Verfügung gestellt habe. Mit dem Denkmal fänden das Bewusstsein für Tradition und Brauchtum in der Gemeinde ihren Ausdruck, betonte Rolinger.

Die Idee, ein Denkmal für die Galionsfigur der Biebernheimer Quetschekerb zu schaffen, sei – so der Ortsvorsteher – nach der 125jährigen Jubiläumskerb im Jahre 2007 an den „Kerwestammtischen“ gekeimt. Nach eigenem Bekunden machte sich Jörg Barth sodann in seiner Freizeit in mehr als 60 Arbeitsstunden an das mühevolle Werk, aus dem schließlich eine symbolträchtige Skulptur entstand, der Quetschehannes. Originalgetreu mit Frack und Zylinder und der obligatorischen Zigarre im Mund, das Ergebnis einer handwerklich-künstlerischen Arbeit eines Steinmetz’ mit 22 Berufsjahren nach dreijähriger Lehre. Der reine Materialwert der Steinfigur einschließlich des 40 Zentimeter hohen Sockels liegt – so Heimatverein-Vorsitzender Günther Link – bei 1.500 Euro, finanziert auch aus den Erlösen des Weihnachtsmarktes und des Verkaufs von Jubiläumskrügen.

Den Auftakt des Festprogramms bildete ein Bürgerdämmerschoppen, gefolgt von der eigentlichen Denkmalsenthüllung und Einweihung unter musikalischer Begleitung einer Abordnung des Musikvereins, der die Enthüllung des Denkmals mit dem obligatorisch-zünftigen Kerbemarsch einleitete. Ein gemütliches Beisammensein, musikalisch umrahmt von Alleinunterhalter Hans-Werner Brand, schloss sich an
und es wurde bis spät in die Nacht gefeiert.

In seiner Ansprache ging Ortvorsteher Bernd Heckmann nicht mehr detailliert auf die Geschichte des Quetschehannes ein, da er sie als weithin bekannt voraussetzt, eine durchaus realistische Einschätzung. Denn schließlich wissen die „Ur-Biebernheimer“ aus historischer Überlieferung, dass er tatsächlich gelebt hat, „ihr“ Quetschehannes, ein ambulanter Zuckerwarenverkäufer, der im 19. Jahrhundert durch die Lande zog und seine Leckereien auch zur Biebernheimer Quetschekerb feil bot. Dass die Galionsfigur des Dorffestes einige Gläser Wein nicht verschmähte, ist ebenfalls in Erinnerung geblieben, auch, dass nicht selten nach dem Alkoholgenuss seine Beine versagten und er zum Gaudi der Dorfjugend mit Musik und lautem Getöse durch die Gassen getragen wurde. Seit dessen Tod zieht die Kirmesjugend mit einem „Ersatz-Hannes“ durchs Dorf, einer Riesenpuppe aus Holz und Stroh, mit entsprechender Kleidung nach historischem Vorbild ausstaffiert.