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24. Januar 2009

24 Büros wetteifern um die Modellstadt St. Goar


Architekten-Wettbewerb hat begonnen – Teilnehmer kommen im Februar zu einem Kolloquium zusammen – Jury entscheidet Ende April – Erste Maßnahmen können bald starten

Modellstadt St. Goar – hinter dem Titel verbirgt sich ein ambitionierter Wettbewerb, der beispielhafte Ergebnisse für das UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal erbringen soll. Bevor der erste Entwurf auf dem Tisch liegt, gibt es die erste Erfolgsmeldung: Die Planer stehen Schlange.

24 Planungsbüros haben sich zur Teilnahme am Wettbewerb “Modellstadt St. Goar” angemeldet. Sie wetteifern nun um die besten Lösungen, wie sich millionenschwere Projekte wie B 9-Ausbau, die Rheinufergestaltung und die Stadtsanierung zu einem besonders ansprechenden und stimmigen Gesamtbild zusammenfügen lassen.

Als “höchst erfreulich und viel versprechend” bezeichnete nicht nur die Präsidentin der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD Nord) und Bevollmächtigte für das Welterbe Oberes Mittelrheintal, Dagmar Barzen, die gute Resonanz. Auch Stadtbürgermeister Walter Mallmann zeigte sich begeistert: “Ich freue mich schon auf die Entwürfe, die in Kürze vorgelegt werden. Ich hoffe sehr, dass tatsächlich ein großer ,Wurf” dabei ist; denn die Ergebnisse dieses Projekts werden das Gesicht der Stadt St. Goar auf Jahrzehnte hinaus prägen.”

Wie mehrfach berichtet, werden durch das Projekt “Modellstadt St. Goar” zahlreiche Maßnahmen, die in der Stadt unabhängig voneinander realisiert werden sollten, “unter einen Hut gebracht”, das heißt: sowohl von der zeitlichen Realisierung wie vor allem auch von der Ausgestaltung einander angepasst. Dazu gehören unter anderem der Ausbau der innerörtlichen Bundesstraße 9, die Neugestaltung des Rheinufers, die Aufwertung von Hansen- und Marktplatz sowie die Sanierung des Rathausumfeldes.

Angeregt von der “Initiative Baukultur” der SGD Nord, haben sich alle Beteiligten an einen Tisch gesetzt, um ihre Maßnahmen aufeinander abzustimmen. Sie haben sich auch bereit erklärt, ihre Projekte in eine gemeinsame Planung zu integrieren. Um ein optimales Ergebnis für die Stadt gegenüber der Loreley zu erzielen und eine wirklich herausragende Gestaltung zu erreichen, hat das Finanzministerium einen Wettbewerb für Architekten, Stadt-, Landschafts- und Verkehrsplaner finanziert, der jetzt in die entscheidende Phase geht.

“19 Planungsbüros und Bürogemeinschaften konnten im Rahmen der Auslobung ausgewählt werden, fünf weitere Büros wurden von uns bereits vorher eingeladen”, berichtet die für die “Initiative Baukultur” zuständige Abteilungsleiterin der Abteilung “Raumordnung, Naturschutz, Bauwesen”, Vizepräsidentin Monika Becker. Mit dabei sind sowohl renommierte Adressen wie “Trojan Trojan Wendt”, die auch die Hamburger Hafencity geplant hat, oder die international bekannte “Hager Landschaftsarchitektur AG” aus Zürich. Es haben sich aber auch kleinere und “junge” Büros und Bürogemeinschaften beworben, welche sich hier erstmals an einer großen Aufgabe versuchen wollen.

“Die Bedingungen für alle Teilnehmer sind gleich”, erläutert Becker. “Alle erhalten jetzt die Unterlagen und haben dann zwölf Wochen Zeit, ihre Entwürfe einzureichen.” Am 19. Februar kommen die Teilnehmer in St. Goar zu einem Kolloquium zusammen, wo eventuell auftretende Sachfragen geklärt werden können. Abgabetermin ist dann der 8. April.

Um die Gleichbehandlung auch wirklich zu gewährleisten, werden alle eingereichten Entwürfe anonymisiert. Die Wettbewerbsjury weiß daher nicht, von wem die einzelnen Planungen stammen. Sie kann sich also nicht von einem großen Namen ablenken lassen. Nach einer Vorprüfung durch Fachleute werden die Wettbewerbsbeiträge am 27. und 28. April durch das Preisgericht beurteilt.

Es gibt einen ersten, zweiten und dritten Preis, alle sind mit einem erklecklichen Sümmchen dotiert, was die Motivation der Planer natürlich besonders anregen dürfte. So erhält der Sieger rund 43 000 Euro, dem Zweit- und Drittplatzierten winken immerhin noch 27 000 beziehungsweise 16 000 Euro. Weitere 25 000 Euro sind für “Ankäufe” von besonders gelungenen Detaillösungen aus den übrigen Wettbewerbsbeiträgen vorgesehen.
Im Mai sollen die ausgezeichneten Beiträge in der Rheinfels-Halle öffentlich präsentiert werden, sodass alle interessierten Bürger die Gelegenheit haben, sich ein Bild von den Entwürfen zu machen. Anschließend wird die Stadt St. Goar in Verhandlungen mit den Preisträgern treten, um den Realisierungsteil des Wettbewerbs möglichst zügig umzusetzen.

Der Landesbetrieb Mobilität, der für den B 9-Ausbau zuständig ist, wartet bereits sehnsüchtig auf den Startschuss. Auch mit der Neugestaltung des Rheinufers- und Hafengeländes durch die Wasserwirtschaft der SGD Nord könnte sehr schnell begonnen werden. Die Realisierung des Ideenteils des Wettbewerbs dürfte dagegen aus finanziellen Gründen noch ein wenig auf sich warten lassen. Doch, so Stadtbürgermeister Mallmann: “Diese Entwürfe werden der Stadt eine hervorragende Grundlage für ihre weiteren Planungen geben.”