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12. Juni 2008

Berühmte St. Goarer Persönlichkeit: Gustav Jacob Herpell (1828-1912)

Gustav Jacob Herpell (1828-1912), Byrologe, Beigeordneter und Ehrenbürger der Stadt St. Goar

Warum die Herpellstraße in ihrer Stadt diesen Namen trägt, dass wollten die in der Heimatforschung sehr aktiven St. Goarer Senioren anlässlich ihres jüngsten Treffens heraus finden. Dazu hatte Stadtbürgermeister Walter Mallmann bereits umfangreiche Recherchen angestellt, die mit Hilfe der im Koblenzer Landesarchiv befindlichen Dokumente noch weiter vervollständigt werden sollen.

Die Herpellstraße zählt zu den jüngeren Straßen in der St. Goarer Altstadt, denn sie entstand als so genannten Kunststraße erst nach dem großen Pulverschlag am 21. August 1759 und den nachfolgenden Bränden vom 15. und 16. April 1761. Sie hieß zuerst Zwerchgasse – also Quergasse – und erhielt später den Namen Poststraße. Darüber ist in den St. Goarer Kreisblättern vom 25. März 1889 nachzulesen: „Die bisher als Zwerchstraße bezeichnete Verbindungsstraße zwischen der Pumpengasse und der Borngasse wird nach dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung künftig Poststraße benannt“. Nachdem die damalige St. Goarer Post jedoch später in das heutige Hotel am Markt umzog, erhielt die Straße den Namen

Unterricht in der Herpell-Schule im Jahr 1926

des weit über die Grenzen seiner Heimatstadt bekannten Byrologen Gustav Jacob Herpell (1828-1912). Die Byrologie ist die Wissenschaft von den Moosen.

Herpell ging auf die Höhere Bürgerschule in Neuwied, absolvierte danach dort eine Apothekerlehre, studierte in Berlin Pharmazie, machte sein Staatsexamen und war an verschiedenen Orten als Apotheker tätig. Aus gesundheitlichen Gründen gab er bereits 1858 diese Berufstätigkeit auf und lebte zusammen mit seiner Schwester Mathilde Charlotte bis zu seinem Tode in seinem Geburtsort St. Goar.

Ehrenbürgerurkunde für Gustav Jacob Herpell

Herpell beschäftigte sich insbesondere mit den Hutpilzen und gab von diesen eine Trockensammlung heraus. 1872 entdeckte er Tortula cuneifolia auf dem Hunsrück neu für Mitteleuropa. Seine wissenschaftlichen Beiträge über die Laub- und Lebermoose in der Umgegend von St. Goar sind noch heute in den einschlägigen Fachbüchern nachzulesen.

Gustav Herpell war viele Jahre Beigeordneter und außerdem Stadtverordneter der Stadt St. Goar. An seinem 80. Geburtstag im Jahr 1908 wurde ihm die Ehrenbürgerwürde der Stadt St. Goar verliehen. Er verstarb am 22. Juli 1912 und er hinterließ seiner unverheirateten Schwester Mathilde Charlotte als alleinige Erbin ein beträchtliches Vermögen. Bereits zu seinen Lebzeiten hatte diese, sollte sie ihn überleben, in ihrem Testament die Stadt St. Goar als Universalerbin eingesetzt. Sie starb ein Jahr nach ihrem Bruder als Letzte der Familie Herpell in St. Goar.

Die Herpell-Schule im Hochwasser des Jahres 1926

Zusätzlich bedachte sie ihre Verwandten, das Movius-Hospital, die evangelische Kirchengemeinde und ihr aus Utzenhain stammendes Dienstmädchen sehr großzügig. Der Stadt St. Goar wurde auferlegt, den ihr verbleibenden Nachlass unter der Bezeichnung „Herpell Stiftung“ als besonderer Fonds zu verwalten und mit Genehmigung und unter Aufsicht der Regierung in St. Goar eine höhere Schule zu gründen und zu unterhalten.

Die heutige Ansicht des Herpellhauses in der St. Goarer Heerstraße


Am 10. September 1919 wurde dem Vermächtnis entsprechend im Herpellhaus in der St. Goarer Heerstraße eine höhere Schule für Jungen und Mädchen – bis Quarta einschließlich – mit 28 Schülern eingerichtet. Allerdings bestand sie wegen unzureichender Schülerzahlen und mangelnder Geldmittel, so ist dem Protokollbuch des St. Goarer Stadtrats zu entnehmen, nur knapp zehn Jahre. Auch das Vermögen der Herpell-Stiftung war in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgebraucht. Das Herpell-Haus wurde später von der Stadt an privat verkauft.