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09. Oktober 2007

Die „Vier Glatzen - Gasse“ wurde erforscht

In der Schleiergasse, das zeigt unser Foto aus dem Jahr 1912, hatten in alter Zeit zahlreiche Handwerker ihre Werkstätten und unterschiedliche Geschäfte boten ihre Waren feil.

Die St. Goarer Senioren, die sich monatlich im Rathaus zum Meinungs- und Informationsaustausch treffen, um die jüngere Stadtgeschichte aufzuschreiben, begannen jetzt mit der Erforschung der alten und geschichtsträchtigen Gassen. Das öffentliche Interesse an diesen Treffen ist inzwischen so groß geworden, dass es im Rathaus bereits eng und schon deshalb auf die alsbaldige Fertigstellung der Rheinfelshalle gewartet wird.

Beim jüngsten Treffen stand die Schleiergasse im Mittelpunkt des Interesses. In einer Powerpoint-Präsentation, die von Hildegard Mallmann und Gerhard Rolinger zusammengestellt worden war, standen Ansichten aus alter Zeit denen von heute gegenüber. Stadtbürgermeister Walter Mallmann ordnete an Hand alter örtlicher Adressbücher ehemalige Bewohner den verschiedenen Gebäuden zu und die anwesenden Zeitzeugen ergänzten diese Angaben aus ihrer jeweiligen persönlichen Erinnerung.

Über die Schleiergasse weiß die Chronik zu berichten, dass einstmals die Brautleute, wenn sie in der katholischen Kirche von St. Goar den Bund der Ehe schließen wollten, die Schleiergasse zu durchqueren hatten. Durch die nach dem Brautschleier benannte Gasse und das Schleiertor der Stadtmauer führte sie der Weg zu der vor den Toren der Stadt stehenden Kirche. Aber auch die Toten wurden auf ihrem letzten Weg durch die Schleiergasse zum Friedhof begleitet. Jenseits der Stadtmauer setzte sich die Gasse in den zur Burg Rheinfels führenden Weg, den Schlossberg, fort. Daher wurde die Schleiergasse früher Burggasse genannt. Mit dem Abbruch des benachbarten Stadtmauerabschnittes und dem Bau der Bahnlinie, dem die Verbindung zum Schlossberg zum Opfer gefallen ist, hat die Schleiergasse ihre einstige Bedeutung eingebüßt.

Es ist heute nur noch schwer vorstellbar, dass in dieser kleinen und engen Gasse zahlreiche Handwerker ihre Werkstätten hatten und unterschiedliche Geschäfte ihre Waren feilboten. Schon im 19. Jahrhundert war hier der Standort einer Senffabrik.

Die Schleiergasse wurde früher im Volksmund die „Vier Glatzen-Gasse“ genannt – nach vier dort wohnenden Herren ohne Haarschmuck: dem Kaufmann Johann Kölzer, dem Barbier Carl Goeddaeus, dem Schneider Jakob Pulcher und dem Kaufmann und Stadtbeigeordneten Franz Knopp. Es wurde erzählt, dass einmal in einer Hexennacht neben dem normalen Straßenschild „Schleiergasse“ ein neues Schild „Vier Glatzen-Gasse“ angebracht wurde.