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12. Oktober 2005

Die Senioren arbeiten die St. Goarer Krankenhausgeschichte auf

Mit der Aufarbeitung der städtischen Krankenhaushistorie hat sich der Seniorenkreis „St. Goarer Geschichte(n)“ ein neues Arbeitsgebiet ausgesucht. Bei der jüngsten Zusammenkunft stand die Entstehung des im Jahr 1897 eröffneten Movius-Hospitals, Vorgänger der heutigen St. Goarer Loreleyklinik, auf der Tagesordnung.

Stadtbürgermeister Walter Mallmann und Stadtarchivar Franz-Josef Schwarz hatten das Thema bereits sorgfältig aufbereitet und in städtischen Beständen vorhandene alte Unterlagen gesichtet. Es ist überliefert, dass schon der Hl. Goar im 6. Jahrhundert hier Kranke pflegte, im 12. Jahrhundert in der heutigen Oberstraße ein den Namen Jerusalem-Hof tragendes Hospital gab und auch im Bereich des heutigen „Hotel Zum Goldenen Löwen“ ein solches stand, das durch den so genannten Pulverschlag im Jahr 1759 zerstört wurde. Ganz offensichtlich lag die Krankenversorgung im 19. Jahrhundert sehr im Argen. Schon 1841 sammelte ein St. Goarer Frauenverein Spenden für einen Krankenhausbau. Im St. Goarer Kreisblatt vom 11. Januar 1866 ist nachzulesen: „Wie man vernimmt, ist die Ausführung des Projektes der Errichtung einer höheren Stadtschule nunmehr gesichert. Wird man dasselbe nicht auch bald in Bezug auf die Einrichtung eines städtischen Krankenhauses fragen können?“

In der Folge war der St. Goarer Landrat Carl Movius die treibende Kraft für die Einrichtung eines Krankenhauses. Er richtete einen so genannten Hospitalfonds ein und akquirierte über mehrere Jahre Geld- und Sachspenden. Es wurden Verlosungen durchgeführt und Konzerte veranstaltet. In den St. Goarer Hotels und Gaststätten standen als „Bettelmännchen“ bezeichnete Sammelbüchsen. Zigarrenspitzen wurden ebenso für den guten Zweck gesammelt wie Stanniol, Zinn und Blei. Es gingen kleine und große Spenden beispielsweise unter dem Titel „Für ein nicht gesungenes Lied“, „Im Gedenken an eine in St. Goar glücklich verlebte Kinderzeit“ und andere originelle Begründungen ein. Öffentliches Geld stand zum Bau des Krankenhauses nicht zur Verfügung.

Als die so genannte zweite Mühle im Gründelbachtal zum Verkauf anstand, stand die dafür geforderte Summe zur Verfügung. Doch es dauerte noch mehrere Jahre bis das neue Haus gebaut, eingerichtet und schließlich am 2. Mai 1897 als „Movius-Hospital“ eröffnet wurde. Zuvor aber war vom Bettlaken über Hosen, Hemden, Matratzen, Öfen, Lampen und eiserne Bettgestelle fast alles an Gegenständen gespendet worden, um einen der damaligen Zeit in Kleinstädten entsprechenden Krankenhausbetrieb zu eröffnen.

Die Mitglieder des Seniorenkreises recherchieren weiter und tragen die Ergebnisse wie Mosaiksteine zusammen. „Auf dem genannten eisernen Bettgestell“, so berichtete eine Zeitzeugin, „haben wir alle unsere Kinder gekriegt.“ In der zweiten Novemberwoche findet das nächste Treffen statt.