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04. Juli 2005

Der Widerstandskämpfer Adolf Friedrich Graf von Schack war ein Sohn der Stadt St. Goar

Der am 15. Januar 1945 im Zuchthaus von Brandenburg-Görden wegen seiner Teilnahme am Aufstand vom 20. Juli 1944 gegen Hitler ermordete Oberst Adolf Friedrich Graf von Schack war ein Sohn der Stadt St. Goar. Die Bopparder Historikerin Christiane Missling beschreibt im diesjährigen St. Goarer Hansenblatt in einem bemerkenswerten Beitrag den Lebenslauf des bisher weitestgehend unbekannt gebliebenen Widerstandskämpfers. Stadtbürgermeister Walter Mallmann wird am Geburtshaus des Grafen im St. Goarer Bismarckweg eine Gedenktafel anbringen lassen.

„Er verlässt das Gymnasium, um Offizier zu werden“, heißt es im Abiturzeugnis des Adolf Friedrich Graf von Schack, geboren in St. Goar am 3. August 1888, der in Boppard im Jahre 1909 sein Abitur ablegte. Er schlug die Offizierslaufbahn ein, kämpfte als Offizier im Ersten Weltkrieg und wurde schwer verwundet. 1920 nahm er seinen Abschied und übernahm 1923 das Familiengut in Zülow bei Schwerin, war dem deutschnationalen Bund der Frontsoldaten, dem „Stahlhelm“, zugehörig und trat mit diesem 1936 der NSDAP bei, obwohl er, wie sein Sohn Adolf Friedrich heute sagt, den aufkommenden Nationalsozialismus abgelehnt hatte.

Am 15. Januar 1945 wurde Graf von Schack im Zuchthaus Brandenburg-Görden erschossen, nachdem er am 21. Juli 1944 verhaftet und Mitte Oktober 1944 vom Volksgerichtshof wegen Hoch- und Landesverrats zum Tode verurteilt worden war.

Adolf Friedrich Graf von Schack, der in St. Goar aufwuchs und in Boppard das Städt. Gymnasium besuchte, war das vierte von fünf Kindern des Ulrich Graf von Schack(1853-1923), Leutnant der Landwehr-Cavallerie a.D., der aus Mecklenburg stammte und nach St. Goar gezogen war, nachdem er seinen militärischen Abschied genommen hatte. Ulrich Graf von Schack hatte eine Bürgerliche aus Bonn geheiratet, Gertrude Schmitz, und das mecklenburgische Gut verpachtet. In St. Goar wohnten sie im heutigen Haus Müller im Bismarckweg. In der Stadt hatte der Graf eine herausragende Position inne: Über zwei Jahrzehnte war er Präsident der St. Goarer Casinogesellschaft, in der die Honoratioren der Stadt sich vereinigten, außerdem war er Jagdleiter der Oberweseler Hochwald Jagdgesellschaft, in der sich Persönlichkeiten aus dem weiten Umkreis und darüber hinaus zur hochherrschaftlichen Jagd zusammenfanden.

Der Sohn des Ulrich von Schack, Adolf Friedrich, hatte nach seinem Abschied aus der Armee das Familiengut in Zülow übernommen, da sein älterer Bruder darauf verzichtet hatte, und 1928 in der Berliner Garnisonkirche Else Freiin von Werthern geheiratet.

1939 wurde er wieder Soldat, nach seiner Teilnahme am Westfeldzug wurde er ins Heeresarchiv in Potsdam und schließlich in die Berliner Stadtkommandantur versetzt. Diese wurde wichtige Kommandozentrale für den Aufstand des 20.Juli 1944.Von hier sollten nach einem gelungenen Attentat die zur Übernahme der Macht notwendigen Maßnahmen zu Absperrung des Regierungsviertels ihren Ausgang nehmen. Otto Ernst Rehmer, der Kommandeur des Wachbataillons, riegelte jedoch, nachdem er erfahren hatte, dass Hitler lebte, den Bendlerblock, die Zentrale der Verschwörer, ab und trug damit maßgeblich zum Scheitern des Aufstandes bei. Am nächsten Tag wurde Graf von Schack, dem es noch gelungen war, verräterische Aufzeichnungen zu vernichten, verhaftet.

Über seine letzten Wochen im Gefängnis ist sehr wenig bekannt. Seine Frau, die Gräfin von Schack, wurde im Januar 1945 von der Erschießung ihres Mannes benachrichtigt. Der Familie blieb unbekannt, was mit den sterblichen Überresten des Grafen geschehen ist. So wie am Familiengrab in Stralendorf bei Schwerin wird künftig auch in seiner Geburtsstadt St. Goar eine Gedenktafel an den Grafen erinnern