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21. Juni 2005

St.Goarer Rathaus: Grundsteinlegung vor 125 Jahren

Heute vor 125 Jahren wurde in St. Goar der Grundstein für das heutige Rathausgebäude gelegt. Stadtbürgermeister Walter Mallmann hatte in der letzten Sitzung der Beigeordneten, Ortsvorsteher und Fraktionsvorsitzenden auf diesen Tag hingewiesen und einen kurzen Überblick über die Geschichte der St. Goarer Rathäuser gegeben, deren erstes bereits in einer Urkunde des Jahres 1332 erwähnt wurde.

Demnach stand dieses Gebäude neben der ehemaligen Stiftsabtei an der Nordseite des heutigen Marktplatzes. Das vierhundert Jahre alte Gebäude wurde im Jahr 1759 durch den „großen Pulverschlag“, der Teile der St. Goarer Kernstadt in Schutt und Asche legte, völlig zerstört. Das unmittelbar danach an gleicher Stelle und gleichen Plänen neu erbaute Rathaus fiel schon wenige Monate später einem Brand zum Opfer.

Das dritte Rathaus war nach vorherigen heftigen Auseinandersetzungen über die geplante Ausführung und der dadurch entstehenden Kosten zwischen dem Stadtrat und der Bürgerschaft und einem darauf erfolgten Machtwort von Landgraf Konstantin von Hessen-Rheinfels zum Ende des Jahres 1762 fertig gestellt. Schon im Jahr 1825 wurde das Haus als baufällig erklärt. Es stand außerdem einer neuen Verkehrsführung in der Innenstadt entgegen und wurde abgerissen. Die Stadt kaufte daraufhin das benachbarte und zum Rhein hin gelegene Gebäude – das heutige Hotel „Zum Goldenen Löwen“ – und richtete dort ihr Rathaus ein.

Inzwischen aber suchte die damalige St. Goarer Justiz ein geeignetes Gerichtsgebäude. Da die Stadt Oberwesel dafür ein günstiges Angebot machte und die St. Goarer diese Behörde als Standort nicht verlieren wollten, räumten Letztere ihr Rathaus, zogen in die Oberstraße zur Miete und das Rathaus wurde zum Gerichtsgebäude umfunktioniert.

Nach langen Beratungen und sorgfältigem Abwägen entschied sich der Stadtrat für den „Porpel“, dem heutigen Standort, gegen die ebenfalls in Aussicht genommenen Bauplätze „Abtei“ und „Batterie“ als Standort für das neue Rathaus. Gegen die „Abtei“ im Bereich des heutigen Hotels am Markt sprach die von Fäkalien im noch nicht kanalisierten Lohbach ausgehende widerliche Geruchsbelästigung. Mit der Bebauung der „Batterie“, dort steht heute die Rheinfels-Schule, kam es mit der so genannten Strombauverwaltung (heute Wasser- und Schifffahrtsdirektion) nicht zu einer kurzfristigen Einigung.

Im St. Goarer Kreisblatt ist nachzulesen: „Am Samstagnachmittag, dem 21. Juni 1880, um 4 Uhr wurde die Grundsteinlegung des hiesigen Stadthauses vorgenommen. Der Hergang des für St. Goar denkwürdigen Ereignisses war folgender: Herr Bürgermeister Hartdegen erschien in Begleitung der Herren Beigeordneten und Stadtverordneten an der festlich geflaggten Baustelle und verlas nach einer kurzen Ansprache ein auf Pergamentpapier geschriebenes Dokument, in welchem die Entstehung des Baues und der Zweck desselben sowie Kostenanschlag, Bauherren und Unternehmer, Jahr, Tag und Datum angegeben waren. Dieses Dokument wurde nebst einigen Geldmünzen deutscher Reichswährung, je ein Exemplar des deutschen Reichs- und Königlich Preußischen Staatsanzeigers, des St. Goarer Kreisblattes, der Koblenzer sowie der Rhein- und Moselzeitung in ein Kästchen von Zink gelegt und verlötet. Das Kästchen wurde dann in einen ausgehauenen Eckstein am Ende des Baues in der Straßenfront gestellt und vermauert. Der Herr Bürgermeister und die Herren Beigeordneten und Stadtverordneten taten hierbei die üblichen drei Hammerschläge mit passendem Spruch auf das Gedeihen des Baues, auf den ferneren Wohlstand der Stadt, auf Frieden und Einigkeit in derselben, sowie im Vaterland überhaupt. Hiermit war die Feier, welcher ein großer Teil der Einwohnerschaft beiwohnte, beendigt. Mögen alle die ausgesprochenen guten Wünsche in Erfüllung gehen und, wenn der einst nach vielleicht Jahrhunderten das Dokument aufgefunden werden sollte, St. Goar sich des gleichen Wohlstandes und derselben Zufriedenheit wie heute erfreuen. Den tüchtigen Arbeitern der Baustelle wurde auf städtische Kosten ein froher Abend bereitet.“

Die Einweihung des St. Goarer Rathauses fand im September des folgenden Jahres statt. Dieser Jahrestag, so erfuhren wir von Stadtbürgermeister Walter Mallmann, der bis dahin die gesamte Baugeschichte detailliert aufarbeiten wird, werde besonders gewürdigt.