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29. Januar 2005

Der St. Goarer Alexanderplatz wird restauriert

Bei der Nennung des Begriffs „Alexanderplatz“ wird sicherlich jedem der Platz im Zentrum von Berlin einfallen, den Alfred Döblin 1929 in seinem zum Bestseller gewordenen Großstadtroman beschrieb, auf dem seit 1969 die berühmte Weltuhr steht, der früher „Ochsenplatz“ hieß und der anlässlich des Besuchs des Zaren Alexander I im Jahr 1805 den Namen des russischen Monarchen erhielt.

Aber auch die Stadt St. Goar verfügt über einen Alexanderplatz. Es handelt sich um die lang gestreckte Terrasse, die sich auf der rechten Straßenseite des Schlossbergs befindet, unmittelbar bevor man die Einfahrt zur Burg Rheinfels erreicht.

Wer als Wanderer die Fahrstraße von St. Goar aus hinauf zur Burg Rheinfels marschiert, freut sich, wenn er nach erfolgtem Aufstieg diesen Platz erreicht, um auf einer der dort stehenden Ruhebänke unter alten Linden eine erste Rast einzulegen und gleichzeitig die wunderbare Aussicht in das Rheintal zu genießen. Inzwischen ist auch der sehr viel bequemer begehbare Wanderweg entlang der Jugendherberge über den wieder erstehenden Landschaftsgarten im Schlossberg angelegt, der ebenfalls auf der genannten Terrasse endet. Der Volksmund hat dieser Terrasse den Namen „Alexanderplatz“ gegeben.

Durch die im vergangenen Jahr durchgeführte Renaturierung des zuvor unter Hecken und Büschen überwucherten Geländes wurde die mit Schartenöffnungen versehene Burgmauer, die als historisch sehr wertvoll gilt, unterhalb des Alexanderplatzes wieder sichtbar gemacht. Sie bedarf allerdings – das wurde ebenso sichtbar – einer alsbaldigen Restaurierung. Auf Anraten des rheinland-pfälzischen Landesamtes für Denkmalpflege hat der Stadtrat im Haushaltsplan der Stadt St. Goar für das Jahr 2005 jetzt 82.500 Euro für diese Maßnahme eingestellt.

Auf der Suche nach dem Ursprung des Namens „Alexanderplatz“ auf der Burg Rheinfels sind Stadtbürgermeister Walter Mallmann, Ortsvorsteher Michael Hubrath und Stadtarchivar Franz Josef Schwarz nach intensiven Recherchen in den verfügbaren Unterlagen bisher noch nicht endgültig fündig geworden.

Soviel aber ist sicher: Der Grundsatzbeschluss zur Anlage des Platzes ist in der Chronik des Verschönerungsvereins der Stadt St. Goar am 12. März 1885 nachzulesen. Danach wurde beschlossen, den Ruhe- und Aussichtsplatz unterhalb der Ruine Rheinfels fertig zu stellen, ein Geländer aus Eisen anzubringen, dort vierzehn Linden anzupflanzen und drei Ruhebänke mit Lehne zu beschaffen.

Initiator der Maßnahme, die im Laufe des Jahres 1885 auch ausgeführt wurde, war der damalige Bürgermeister Alexander Hartdegen. Bereits sechs Jahre später wird der Platz im Protokoll der Stadtverordneten-versammlung vom 12. September 1891 offiziell „Alexander-Aussichtspunkt“ genannt. Daher geht Leopold Ensgraber, der Verfasser der St. Goarer Stadtchronik davon aus, dass der Platz nach dem damaligen Bürgermeister Alexander Hartdegen, der von 1877 bis zu seinem Tod im Jahr 1901 amtierte, benannt ist.