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05. Januar 2006

Vor 130 Jahren wurde die Biebernheimer Schule eröffnet

Unser Bild aus dem Stadtarchiv St.Goar zeigt eine Szene aus der Brandnacht im Mai 1965

Vor 130 Jahren am 3. Januar 1876, so lesen wir es in der von Leopold Ensgraber verfassten Chronik der Stadt St. Goar, wurde die Biebernheimer Schule ihrer Bestimmung übergeben. Als solche diente sie bis zur Schulreform im Jahr 1971. Nachdem der St. Goarer Stadtrat vor wenigen Tagen in seinem Investitionsprogramm für die nächsten Jahre den Umbau der „alten Schule“ in Biebernheim zu einem Dorfgemeinschaftshaus einstimmig beschlossen hat, ist auch deshalb ein Blick in die Geschichte des markanten Ziegelsteingebäudes angebracht.

Bereits seit dem Jahr 1836 besaß Biebernheim ein Schulgebäude. Dabei handelte es sich, wie die Schulchronik berichtet, um die das Baumaterial des ehemaligen Zollhauses, das im Jahr 1790 in St. Goar erbaut und bei der Verbreiterung der Heerstraße im Jahr 1806 abgebrochen worden war. Das Gebäude, so schildert es der Chronist, wurde zwei Jahre später in Biebernheim wieder aufgebaut, im Jahr 1836 von der Gemeinde für 2000 Taler erworben und als Schule genutzt. Vierzig Jahre später wurde es als baufällig erklärt und es kam zum Bau eines neuen Schulhauses. In diesem waren die Räume der evangelischen und die der katholischen Volksschule getrennt untergebracht.

Am 4. Mai 1965 brach in dem Gebäude ein Brand aus. Dazu schrieb damals die Rhein-Zeitung: „Es begann wie in alten Zeiten – gegen 3 Uhr nachts läuteten die Kirchenglocken Feueralarm, halb angekleidete Gestalten rannten zum Spritzenhaus, um Geräte und Leitern eiligst zur alten Schule zu schaffen, deren Nordost-Giebel in hellen Flammen stand. Im Nu war das Gebäude, keine architektonische Schönheit, von einem Großteil der Dorfbevölkerung umlagert, die in der Nacht zum Dienstag Zeugen eines aufregenden aber auch erfolgreichen Löschunternehmens wurden. Die Schule allerdings, wurde durch den Brand so stark beschädigt, dass ein Unterricht nur nach umfangreicher Renovierung möglich sein wird.“ In der Zwischenzeit fand für mehrere Monate der Unterricht im Gasthaus „Zur Linde“ und im Jugendheim der Kirche statt.

Fast einhundert Jahre – bis zur Schulreform im Jahr 1971 – diente das Gebäude als Schulhaus. Seitdem besuchen die Biebernheimer Kinder die Grundschule in St. Goar und die Hauptschule in Oberwesel. Heute sind in der alten Schule einige Räume als Wohnungen vermietet, es ist die Galerie eines einheimischen Künstlers untergebracht und in einem früheren Schulsaal hält der Gemischte Chor „Rheinklang“ Biebernheim seine Übungsstunden ab. Nach dem Beispiel zahlreicher anderer ehemaliger dörflicher Schulgebäude im Heimatgebiet soll die alte Biebernheimer Schule künftig nach dem Willen des Stadtrates zu einem funktionsfähigen Dorfgemeinschaftshaus umgebaut werden.

Das Investitionsprogramm der Stadt St. Goar sieht dazu noch in der laufenden Legislaturperiode diesen Umbau vor. Dazu erklärte Stadtbürgermeister Walter Mallmann in seiner Etatrede: „Da nähert sich die Vision der Wirklichkeit. Ein Gemeindehaus, so wurde mir bei meinem Amtsantritt im Jahr 1999 vom damals scheidenden Ortsvorsteher erklärt, sei den Biebernheimer Bürgerinnen und Bürger bereits vor Jahrzehnten von den damals politisch Verantwortlichen zugesagt worden.“ Die über Jahre hinweg schwierige Finanzlage der Stadt St. Goar ließ diese Investition offenbar nicht zu.

Inzwischen sei bewiesen, so Walter Mallmann , dass durch konsequentes Sparen finanzielle Spielräume geschaffen wurden, um die anstehenden Aufgaben zu lösen. Nach Fertigstellung des geplanten Neubaus der Rheinfelshalle soll das Projekt „Gemeindehaus Biebernheim“ umgehend angegangen werden. Ein finanzieller Grundstock besteht bereits in Höhe von rund 50.000 Euro durch eine Stiftung des verstorbenen Biebernheimer Malers Wilhelm Kuhn. Ortsvorsteher Bernd Heckmann ist optimistisch, dass ehrenamtliche Eigenleistungen die Finanzierung des Umbaus erleichtern. Außerdem sind sich die Fraktionen im Stadtrat in ihrer Zielsetzung einig, dass es sich um eine notwendige Maßnahme handelt.