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09. September 2009

St. Goarer Senioren: Nostalgische Erinnerungen an die „Blindschleich“

Unser Foto aus dem Stadtarchiv zeigt die Rheinfähre „Loreley IV“ im Jahr 1930. Heute dient sie als schwimmende Weinwirtschaft in Winningen an der Mosel.

Die Rheinfähre „Loreley“ ist bei den Senioren der Rheinfelsstadt mehr als ein zwischen St. Goar und St. Goarshausen verkehrendes Verkehrsmittel. Das wurde bei dem jüngsten Treffen „St. Goarer Geschichte(n)“ spürbar, als mehrere Zeitzeugen ihre Erinnerungen zum Besten gaben.

Hermann Schäfer wusste als ehemaliger Schüler von gefahrvollen Überfahrten zum St. Goarshausener Wilhelm Hofmann Institut während des 2. Weltkrieges zu berichten, als sich die feindlichen Tiefflieger im Anflug befanden. Er erinnerte sich auch an schweren Eisgang auf dem Rhein, der selbst dem kleinen Fahrgastschiff „Felix“ vor dem Eintreffen der Eisbrecher nicht die Überfahrt erlaubte.

Doris Krick erzählte von einer „Schwarzfahrt“, die sie als Kind mit der Fähre unternahm, als sie mit abgezähltem Geld den in St. Goarshausen gastierenden Zirkus besuchte, der 3. Platz ausverkauft war und sie für die Eintrittskarte einen höheren Preis zu zahlen hatte. Folglich fehlte ihr das Fährgeld für die Rückfahrt nach St. Goar. Franz-Josef Schwarz wusste von seinem und seiner Mitschüler größtem Bedauern zu berichten, wenn es in Schuljahren nicht zu größeren Hochwassern und nicht einen dadurch bedingten Unterrichtsausfall kam.

Stadtbürgermeister Walter Mallmann hatte mit einer sorgfältig zusammengestellten Powerpoint-Präsentation mit historischen und aktuellen Fotos in die Geschichte der Rheinfähren eingeführt, wobei natürlich die zwischen den beiden mittelrheinischen Schwesterstädten verkehrenden „Ponten“ das größte Interesse hervor riefen. Mallmanns Vortrag war mit den Daten einer von Peter Nowsch zur Verfügung gestellten Festschrift, die anlässlich der Einweihung der Rheinfähre „Loreley IV“ im Jahr 1930 herausgegeben worden war, unterstützt worden.

Diese damals zwischen Worms und Koblenz größte und modernste Fähre konnte zehn PKW befördern. Der Tradition gemäß wurde sie auf den Namen “Loreley IV” umgetauft, von der Bevölkerung aber – nicht ohne Zuneigung und ein wenig Stolz – „Blindschleiche“ genannt. Als nämlich Publikum, Festgäste und Schiffer wartend am Ufer standen, wollte und wollte die neue Fähre nicht erscheinen. Schließlich entdeckte sie ein „Schiffiger“ mit seinem Fernglas in der Höhe von Wellmich: Anthrazitfarben, grau und weiß und langsam. Er soll gerufen haben: „Da kimmt die Blindschleich.“ Heute dient die „Blindschleich“ als schwimmende Weinwirtschaft in Winningen an der Mosel.